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Oh wie schön ist Pana...PARIS!!
Ein Erasmus-Jahr in der Perle des Westens, dem Kleinod im Herzen Frankreichs
Der Versuch eines Tagesbuches
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3.Dezember
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Von Steinen, Stufen und Sachen, die wir nicht verstehen
Angefangen hat alles damit, dass man das Baumaterial für Paris aus seinem eigenen
Untergrund geholt hat. Vorallem an der Rive gauche hat man Kalkstein und an der Rive droit
Gips abgebaut. Anfangs noch über Tage, ging man später dazu über diesen Abbau unter Tage zu betreiben.
Aber durch diesen intensiven Materialabbau erhöhte sich die Einsturzgefahr der Stollen so sehr, dass - nachdem
viele Häuser und Straßen abgesackt waren, 1777 ein Inspektinskorps (inspection générale des Carrières) für das
unterirrdische Paris gegründet wurde.
Leider sind von den 300km Gängen nur wenige dem Publikum geöffnet, vorallem aber das "Totenreich" ist interessant!
Ab 1786 wurden dann auch erste Gebeine von den Pariser Friedhöfen in die Katakomben von Denfert-Rochereau gebracht, nachdem diese Friedhöfe aus hygienischen und Platzgründen geräumt und aufgelöst wurden. Diese Kochen und Totenschädel, künsterlisch gestapelt und mit allerlei Inschriften-Schildern und Kreuzen verziert entwickeln in den dumpf-klingenden, stets feuchten und spärlich beleuchteten Gängen einen gewissen morbiden Charme, wenn nicht sogar eine gewisse unheimliche Stimmung! Neben Steinbrüchen und Katakomben besteht der Pariser Untergrund noch aus den ganzen Versorgungsleitungen (Kanalisation mit sehr große Abwasserkanäle, Wasserreservoir unter Montmartre), den Métro- und RER-Stationen und Strecken, Hausgewölben, Schmugglertunneln, Atom- und Luftschutzkeller und Résistance-Verstecken aus dem Zweiten Weltkrieg. Wer noch etwas zum lesen an Weihnachten braucht, dem sei "Les Misérables" von Victor Hugo an's Herz gelegt, dessen Roman nämlich teilweise in dieser Unterwelt spielt. |
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2. Dezember
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J'accuse !
Wer kennt sie nicht? Die guten alten französisch Schulbücher
Etudes francaises Découvertes Série bleue!
Unvergessene Momente wie "Boum! C'est le choc!" oder "Et tout à coup le téléphone sonne". Man hat typische Franzosen wie
Monsieur Said, Julien und Arthur "le perroquet" kennengelernt und erfahren was es alles für tolle Sachen in Paris gibt.
Diese meine französische Früherziehung fand aber unter Vorspiegelung falscher Tatsachen statt!! Die Hauptgeschichte des ersten Buches handelt davon, dass eine Familie vom Land nach Paris zieht, und zwar in die Rue Daguerre. Passend dazu ist ein Bild der vermeintlichen Straße abgebildet, schöne große und noble Wohnhäuser am Ufer der Seine. Im Rausch meines unstillbaren Wissendurstes habe ich somit der Rue Daguerre einen Besuch abgestattet. Aber ich wurde für meine kindliche Naivität bitter bestraft. Zwar ist die "echte" Rue Daguerre eine ganz schöne Straße im 14° und teilweise sogar eine Fußgängerzone, aber dennoch nicht die gleiche wie im Französischbuch abgebildet!! Was lernen wir aus dieser Enttäuschung? Die Medien spieglt nicht die wahre Welt wieder, sondern verzerren und täuschen vielmehr den ahnungslosen Betrachter. Traue keinem Schulbuch!! |
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26. November
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Métro, boulot, dodo ou disco ?
Die Pariser Métropolitain ist die Haßliebe aller Einwohner hier : auf der einen Seite hat die Métro das
dichteste Stationennetz überhaupt, fährt im Minutentakt, ist schnell und zuverlässig, aber auf der anderen Seite,
ist die Métro bzw. RER morgens und abends im Berufsverkehr gerammelt voll und raubt einem dann den letzten
verbleibenden Hauch von Geduld und Güte.
Wenn man das Pech hat (wie ich!) auf den Hauptverkehrswegen fahren zu müssen, dann können die 40 Minuten Uniweg so echt zur Hölle werden. Eingeklemmt zwischen schwitzenden Menschen versucht man sich Platz zum Atmen zu verschaffen. Dazu kommt dann auch noch bei den Umsteigestationen die langen und überfüllten Wege....und wenn es ganz schief läuft, dann darf man auf den nächsten Zug warten, da man in die erste RER garnicht reingekommen ist! Das alles liegt aber daran, dass die Pariser Métro wirklich den Namen öffentliches Nahverkehrsmittel verdient hat! Jährlich werden 2 813,2 Mio Fahrgäste transportiert. Métro fahren ist fester Bestandteil des Arbeitsalltages und keine so Alibi-Veranstaltung wie zum Beispiel in Rom.... |
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19. November
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New York ist überall ...
Wieder mal ein Beispiel dafür, wo die Ursprünge der westlichen Welt liegen. Das Plagiat in New York
kann da nur als ein fantasieloser Versuch angesehen werden japanische Touristen nach USA zu locken und ihnen dort
Entschädigungszahlungen für Pearl Habour aus der Tasche zu ziehen!
Ursprünglich von dem französischen Bildhauer Frédéric Bartholdi (1834 - 1904) geschaffen, steht diese Freiheitsstatue in Paris und heute auf der Allée des Cygnes (15e), einem künstlichen Deich in der Seine unweit des Eiffeltums. |
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15. November
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Die glorreiche République francaise gegen die Otto "Rehakles" Rehhagels Hellas-Elf
Nicht nur der Ort, sondern auch die Teams waren vielversprechend: der Vize-Weltmeister (aber das
ist ein anderes Thema ...) gegen den amtierenden Europameister im Stade de France. Das Stade
de France als moderner Geburtsmythos der V. Republik, indem die "Bleus" dort 1998 Weltmeister
wurden.
Fast komplet ausverkauft (80 000 Sitzplätze) herrschte eine bombige Stimmung. Leider war das Spiel nicht im gleichen Maße berauschend. Mehr aus Versehen, als aus Absicht schob Henry ein Ball ins richtige Tor und so ging man mit einem 1:0 in die nächste Kneipe. Trop maigre! Trotzdem ist das Stadium echt einen Besuch wert! Nächstes Jahr ist Rugby-WM ... |
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11. November
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Bonne anniversaire!
Paris zeigt sich heute von seiner besten Seite und will meinen Geburtstag mit Staatsbeflaggung feiern!
Dieser plumbe Versuch der Pariser meine Gunst zu erwerbern ist leider im Vorhinein zum Scheitern verurteilt, denn dieser kommt
drei Monate zu früh! Aber der Wille zählt!
Womit wir beim Thema Revolutionskalender wären: wie allgemein bekannt ist, wurde 1789 im Zuge der französischen Revolution ein neuer Kalender eingeführt. Dort hießen nicht nur die Monate, sondern auch die Wochentage anders. Sinn dieses Kunstgriffes war, dass im lazistischen Staat Frankreich ein anderer Kalender als der "christliche" gregorianische gelten sollte. Das Jahr dauert nach dem zweiten Republikanischen Kalender 12 Monate zu jeweils 30 Tagen. Eine Woche dauerte zehn Tage und somit gab es auch erst alle zehn Tage einen freien Tag! Das Jahr beginnt am 22. September nach unserem Kalender. Heute ist also der 21. Brumaire und Geburtstage habe ich erst am 20. Pluviôse! Übrigens schaffte Napoleon den Republikanischen Kalender 1806 wieder ab... |
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Irgendwann im Oktober
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La nuit blanche
La nuit blanche könnte man noch am ehesten mit der "Blauen Nacht" in deutschen Städten vergleichen. Auch da ist der
Name Programm: viel trinken und alles blau sehen. In Paris lautet die Parole "Nacht durchmachen"! Viel trinken und
versuchen den achtspurigen Champs-Elysée ohne Ampel zu überqueren ...
Auf jeden Fall nehmen wir aus der nuit blanche zwei Erkenntnisse mit: zum Einen haben viele Museen offen und sind kostenlos und zum zweiten sind nicht alle Eisbären Schafe nur weil sie so aussehen! |
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Mitte Okober
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Der Pariser Autosalon: Tränen, Benzin, Hostessen und ... ach ja ... AUTOS!
Diese, nur alle zwei Jahre stattfindende Autoausstellung ist die Wahrwerdung aller Jungensträume. Geschmackvoll
gekleidete Automobile präsentieren die besten Hostessen und geben einen Einblick in die robustesten Fahrwerke
und die neusten Entwicklungen.
Neben so Standardfahrzeugen wie Maybach, VW Phaeton und diesen Plastik-Metall-Konglomeraten aus Japan ist der neue Audi R8 und der TT Facelift zu sehen. |
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Mitte September
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Die Führer besichtigen nach ihrer Ankunft den Eiffelturm
Endlich da! Der Bauchnabel der Welt empfängt mich französisch: mit viel Dreck drin, aber dennoch herrzlich!
Nachdem so kleine, nebensächliche Sachen wie Wohnungssuche oder Bankkonto eröffnen ohne Probleme und zügig erledigt sind, kommen die wichtigen Dinge des Lebens dran... Dazu zählen Happy-Hours suchen, den Métro-VIP-Pass besorgen, sich für das Nanterraner Banlieu mit Nahkampfwaffen eindecken, sich beim französischen Präsidenten akkreditieren und den Lady-Di-Schrein seine Ehre erweisen. |
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