![]()
Oh wie schön ist Pana...PARIS!!
Ein Erasmus-Jahr in der Perle des Westens, dem Kleinod im Herzen Frankreichs
Der Versuch eines Tagesbuches
|
Wo ? | Wer ? | Bilder | Gästebuch | Home | ||
|
|||
paris.fr
|
Phils Blog
|
upx.fr
|
Election présidentielle 2007
|
La Réunion
|
|
WELTMEISTER !!!
|
|||
|
4. Juli
|
|
Es ist nie genug ...
Adieu Paris! Kreditkarte und Zahnpasta sind eingepackt - jetzt bin auch ich bald wieder rechts-rheinisch. Aber
ich will mich kurz fassen: Viel gesehen, viel erreicht, viel gegegben und viel gelernt.
Damit endet auch dieser Versuch eines digitalen Tagesbuches, das - zugegeben - oft nicht ganz so regelmäßig wie gewünscht geführt wurde. Dem einzig wahren Dr. Gonzo-Journalismus folgend sollte es anschaulich, die in schauderhaftem Stupur geführte Reise eines Erasmus-Studenten durch das wilde Paris während eines Jahres zeigen. Denn wir hatten wirklich Glück: nicht nur erlebten wir den Pariser Automobil-Salon und die Le Bourget-Airshow mit (finden nur alle zwei Jahre statt!), sondern auch die verschiedenen Wahlgänge für die französische Präsidentschaft und die Assemblée Nationle! Politisch gesehen sahen wir den Beginn einer Zäsur oder wie Monsieur le Président sagen würde: une rupture. Bleibt zu beobachten wie die enormen gesellschaftlichen Probleme gelöst werden. Aber zurück zur Stadt Paris. Viele Dinge werden in bester Erinnerung bleiben: mannshohe Reiterdenkmäler um zwei Uhr nachts; Schafe, die Eisbären sind und einem auf Grundeis gehen; der uneheliche Bruder von Paul Newman; filz-verhängte und dennoch rutschige Biergläser, die auch wirklich zerbrechen; ehrenhafte und unehrenhafte Türsteher; dass "Sortie" unter keinen Umständen als Eingang gedeutet werden kann; von Partys geworfen zu werden, bevor man überhaupt drin war; die Funktionsweise von griechischen Feuerlöschern; die totsichere Erkenntnis "Klaus! Wir kriegen dich!" (n'est pas?!); die längsten (gefühltesten) Semester meines Lebens; dass Pferderennen die beste Geld-Anlageform sind; der Gin sollte vor Sonnenaufgang leer sein und überhaupt der Sonnenaufgang beim Panthéon zum schönsten zählt, was die Erde bietet; der Südost-Pfeiler des Eiffelturms ein idealer Platz ist; Rive-Gauche rulez! und auch wirklich nichts im Drink war; banlieu nicht gleich banlieu ist; dass "le service est terminée" eine fiese Erfindung der weltweiten RATP-CRS-Lobby ist und so einiges und sehr vieles mehr! Jetzt ist es doch länger geworden, aber naja wenige Worte für Paris wäre auch nicht angebracht. Ich gehe also - was bleibt? Auf jeden Fall kein weißer Fleck auf der französischen Landkarte, sondern eine wohlbekannte Oase und eines ist sicher: ich komme wieder - denn "Wieso eigentlich nicht?!" |
|
|
4. April
|
|
Die totale Berichterstattung
In der Rue Enghien hat der oberste Feldherr der UMP Nicolas Sarkozy sein Wahlkampf-Hauptquartier aufgeschlagen. Von dort
aus wird seine ganze Kampagne gesteuert und organisiert. Brisant ist die Lage im 10.Arrondissement: nicht wirklich ein Quartier,
in dem man Botschaften, Ministerien und Villen vorfindet, sondern eher Bürger mit "Migrationshintergrund" antrifft. Und
welches Feingefühl M. Sarkozy bei sozialen Fragen und der inneren Sicherheit hat, ist selbst dem deutschen Beobachter inzwischen
klar geworden.
Brisant auch, dass die Wahlkampfzentrale nicht weit weg vom Gare du Nord liegt. Der Ort, an dem man die Konsquenzen und Auswüchse der Politik des ehemaligen Innenministers und Hardliners Sarkozy am vergangenem Dienstag studieren konnte. Bei der Kontrolle von Fahrgästen durch die RATP (Betreiber des Pariser ÖPNV-Netzes) fiel ein Schwarzfahrer (im doppelten Sinne ...) auf. Es kam zu Diskussionen und einem Handgemenge. Die herbeigerufene Gendamerie (sie ist dem Verteidigunsministerium unterstellt!) nahm ihn daraufhin fest. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu sagen, dass die RATP-Kontolleure ganz unten in der Nahrungskette stehen: unfreundlich und agressiv und man wundert sich, dass sie überhaupt lesen und schreiben können. Wer bei der Polizei abgelehnt wird, der geht zur RATP!
Umstehende Passanten sahen das brutale Vorgehen und riefen
“Lâchez-le” ("Laßt ihn los") und “Nique Sarkozy“ ("Fick dich Sarkozy"). Es kamen immer mehr Casseure hinzu und es wurde schließlich zu einem
Anti-Sarkozy-Ventil. Die gesamte Situation schaukelte sich gegenseitig hoch und
erste Steine flogen. Es folgten brennende Mülleimer, eingeschlagene Scheiben und ein Katz und Maus Spiel mit der Polizei in den
weiträumigen und verwinkelten Gängen des am meisten frequentierten Bahnhofes von Paris. Erst nach sieben Stunden waren die Unruhen
beendet und die staatliche Ordung wiederhergestellt.Es bleibt das Unverständnis der Maßnahmen zurück: Welche Verhältnismäßigkeit hat das, wegen einer Fahrkarte jemanden menschenunwürdig zu behandeln? Ein absoluter Schwerverbrecher? Wehret den Anfängen? Natürlich ist die Gewalt der Jugendlichen aus gewissen Banlieus absolut inakzeptabel und muss geahndet werden, aber bis zu einem bestimmten Grad sind sie nunmal "nur" Produkte ihrer Umwelt. Und die sieht absolut düster aus: nicht nur Perspektivlosigkeit, sondern auch Armut und permanente Vorverurteilung durch Justiz und Polizei. Die einzige Antwort des Präsidentschaftskandidaten Sarkozy ist die eiserne Faust der Police National. Er rühmt sich sogar seines harten Vorgehens und seiner "Zero-Tolerance"-Politik. Anstatt den sozialen Sumpf trockenzulegen, greift er lieber zum "Kärcher"! Aber vielleicht auch weil er weiß, dass langfristige und nachhaltige Maßnahmen mit entsprechend spät sichtbaren Ergebnissen ihm im aktuellen Wahlkampf nicht helfen. So präsentiert er sich lieber als "erster Polizist" und wahrscheinlich verhilft ihm das zum Umzugswagen in den Elysée ... Hier ein Video dazu. Auch hier . |
|
|
9. Februar
|
|
Le progrès pour pour tous, le respect pour chacun
Am 22. April werden alle wahlberechtigten Franzosen an die Wahlurnen gerufen, denn es steht die französische Präsidentschaftswahl vor der Tür.
Die Hauptarena der vorhergehenden politischen Gladiatorenkämpfe ist naturgemäß Paris.
Deswegen werde ich in Zukunft direkt aus "der Hauptstadt der Bewegung" auf einer Sonderseite
über die Election présidentielle 2007 berichten: wer tritt an? Was sind ihre inhaltlichen Themen? Außerdem aktuelle Meinungsumfragen und natürlich
todesverachtende Liveberichte aus den Teufelskesseln der diversen Wahlveranstaltungen! Unterstützt und beraten werden ich dabei von Profi-Fotographen, Politik-Experten und Kennern
der Szene.
Den Auftakt machten die Sozialisten mit ihrer Kandidatin Ségolène Royal am vergangenen Mittwoch abend mit einem Auftritt vor ca.4500 Anhängern und Interessierten in der Halle Carpentier im 13ten. Als Redner vor Mme Royal traten Bertrand Delanoë und Philippe Torreton auf. Bertrand Delanoë, Pariser Bürgermeister seit 2001 und bekennender Homosexueller (Spitzname hier: Notre-Dame de Paris) hielt eine glühende und humoristische Rede mit Anspielungen auf "einen gewissen Herrn von der UMP" (gemeint ist Nicholas Sarkozy). Wenn uns das Deutsche nicht an einen "Professor aus Heidelberg" erinnert ... Auf jeden Fall ist Bertrand Delanoë ein ganz großer Redner, der auch ohne jegliches Redemanuskipt zu überzeugen weiß, was heutzutage eine leider wenig verbreitete Qualifikation ist. Anschließend brachte Philippe Torreton, französischer Schauspieler (in Filmen wie Chevaliers du ciel oder Dear Hunter) eine eher schwache Leistung - aber er ist ja auch kein Berufspolitiker im Sinne von Max Weber. Danach folgte dann Ségolène Royal. Auch sie las vom Blatt ab und brachte die aufgeschriebenen Gags nicht wirklich überzeugend in ihre Anhängerschaft. Sie wirkte einwenig farblos und unsicher. Aber vielleicht wird sich das im Laufe der nächsten drei Monate noch legen. Wird sie die erste Präsidentin der V. französischen Republik? Nichtsdestotrotz bereiteten ihre "militants" ihr einen schönen und lautstarken Abend im lauwarmen Pariser Winter! Hier ein Video mit Reaktionen und der Stimmung vor Ort. |
|
|
auch 2.Februar ... es sind eben gerade Semesterferien ...
|
|
Graue Vögel an Gottes Himmelsdach
In Frankreich hat es Tradition seine Kirchen zweckzuentfremden, umzubauen und anderen Zielen zu widmen!
Schon 1885 wurde das Panthéon, ursprünglich von v.a. Jacques-Germain Soufflot (1713-1780) als Kirche der Abtei Sainte-Geneviève (die Schutzheilige von Paris) errichtet, mit der Beerdigung von Victor Hugo entgültig zum Ruhmestempel und Beerdigungsplatz der Grande Nation. Ähnliches Schicksal weist auch die Kirche St-Martin-des-Champs auf - heute Bestandteil des Musée des arts et métiers. Anfangs als Klosterkirche um 1100 gebaut, wurde das Kloster, wie so vieles während der Revolution (vorallem die Festung Bastille) zerstört. Später wurde die erhaltene Kirche und das Refektorium Teil des Conservatoire National des Art et Métiers und so stehen heute Autos, Raktentriebwerke und Flugzeugflügel im Kirchenschiff und hängen Flugzeuge an der Decke! Außerdem zu sehen ist das original Foucaultsche Pendel. Deswegen auch das "Panthéon der Technik" genannt ... Ansonsten ist das Museum in interessante Themenbereiche gegliedert: Werkstoffe, wissenschaftliche Instrumente, Bauwesen (viele Modelle), Mechanik (teilweise zum Ausprobieren), Energie und Transport. Betrachtet man die gesamte Kultur- und Museumslandschaft kann man zu der Vermutung kommen, dass die Franzosen zwar einen immensen Aufwand für geisteswissenschaftliche Kultur betreiben - um nur das größte Museum der Welt, den Louvre zu nennen - aber weniger bei der Naturwissenschaft. Zwar ist das Musée des arts et métiers sehr schön, aber das Deutsche Museum in München ist ihm bei weitem überlegen. Sollte man deswegen, gängige Vorurteile bedienend, auf Wesen und Charakter beider Völker schließen können ... ? |
|
|
2. Februar
|
|
Ich und mein Wetter
Heute meldet das Thermometer für Paris eine Höchsttemperatur von 13° Celsius, es gibt keinen
Niederschlag und leichten Norwest-Ost von 3 Beaufort. Normal? Bisher war es hier sehr wenig unter 0° C,
es gab kaum Regen und Schnee erst Recht nicht? Normal? Oder ausgewöhnlich mild?
Aber erstmal zu empirischen Fakten und der harten Wissenschaft: Paris liegt in der gemäßigten Klimazone, was bedeutet, dass Paris eindeutige Jahreszeiten aufweist. Diese Klimazone umfasst das Seeklima der Westseiten, das Übergangsklima, das Kühle Kontinentalklima, das Sommerwarme Kontinentalklima und das Ostseitenklima. In Paris herrscht das Seeklima, also die Temperaturen sind gemäßigt mit leichten Schwankungen und einem Maximum im Sommer. Desweiter fallen Niederschläge ganzjährig mit häufig einem Maximum im Winter (oder ganzjährig ausgeglichen). Der entscheidende Akteur und "Wettermacher" ist dabei das Meer: es nimmt im Sommer Wärme auf und gibt diese im Winter wieder ab, sodass also seine Winter verhältnismäßig mild sind (Erscheinung der Kontinentalität). Spezifisch hat Paris eine Jahresmitteltemperatur von 10,6° Celsius und eine durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge 639 Millimeter. Zum Vergleich Berlin: 8,9°C und 581 mm ! Betrachtet man die Jahresmittel von Paris seit Beginn der dortigen metereologischen Aufzeichnungen 1757 in le Bourget bestätigt sich dies. Das heißt aber eben nicht, dass es nie unter 0 ° Grad fällt, sondern - da arithmetisches Mittel - nicht bedeutend oft oder tief genug! (An dieser Stelle eine Hommage an Prof. em. Dr. Friedrich Vogel und einen Verweis auf sein Referenzwerk (13. Auflage !!), mit dem er zwar "nicht reich", aber dennoch berühmt geworden ist.) Liegt nun die zweite Hälfte vom Jahre 2006 und das bisherige 2007 in dieser Tendenz? Laut Météo France war der September 2006 milder (moyenne mensuelle 19,8° Celsius) und regenärmer. Auch der Oktober war wesentlich wärmer (15,5° Celsius gegen ein Normalmittel von 12,5° C) und ebenfalls regenärmer. Der November anschließend mit einem Temperatur-Monatsdurchschnitt von 9,9° Celsius (Mittel: 7,9° Celsius) und Niederschlag von 52,4mm (51,9) im Rahmen und ebenfalls der Dezember (6° Celsius gegen 5,7° Celsius und 66,6 mm gegen 58,7mm). Gleiches gilt für den Januar 2007. Zusammendfassend liegt das derzeitige Klima in Paris im gewöhnlichen Rahmen ohne größere Schwankungen zu Vergleichswerten und Ausreißern und erscheint mir wohl nur so mild, weil ich anderes gewöhnt bin! Musste schließlich fast 24 Jahre lang Schnee schippen ... |
|
|
22. Januar
|
|
La Galette des Rois
Jetzt ist es soweit. Wir schreiben Januar und es wird wieder Zeit für eine lustige und weit verbreitete französische Tradition, nämlich den Dreikönigskuchen -
Galette des Rois genannt. Zum 6. Januar wird dieses Festtagsgebäck zur Erinnerung an die Heiligen Drei Könige serviert. Bestehen tun diese aus Brioche
(Hefeteig) oder es sind galette feuilletée (Blätterteig). Zudem gibt es welche mit Mandelcrème (frangipane), Äpfeln und anderen Früchten und auch nur
Blätterteig mit Zucker.
Das Besondere ist die eingebackene Keramikfigur oder Bohne (la fève). Ein Galette des Rois wird in der Arbeit, in der Familie, im Kindergarten oder in der Universität (und WER wurde König...;) geteilt und gemeinsam gegessen. Hat einer erst mal auf dieses Keramikstück gebissen, ist er der König! Er krönt sich mit einer Pappkrone, erwählt sich eine Königin und hält anschließend mit seinem Hofstaat für einen ganzen Tag Hof. Immer wenn der König dann trinkt, müssen alle anderen Anwesenden mittrinken und folgendes laut verkünden: "Le rois bois !!". Dieser, für Franzosen anscheinend schwer auszusprechende Satz erzeugt aufgrund seines Zungenbrecher-Faktors eine allgemeine Heiterkeit ... ich könnte mir das höchstens in Kombination mit einer Flasche erlesenen Rotweins vorstellen ... |
|
|
19.Januar: Exkursion in das befreundete Nachbarland
|
|
Euskal Herria
Ist es in Paris zu kalt geworden, dann zieht sich der gemeine Erasmus-Student an die Küste zurück. Meine
Casa steht in Bilbo (Bilbao) an der wunderschönen spanischen Atlantikküste und ist bequem mit dem französischen
Hochgeschwindigkeitsprodukt (ein stolzes Grand projet) TGV zu erreichen.
Sowieso
eine der schönsten Art und Weisen zu reisen: schnell, viel Platz, ruhig und gemütlich und mit Carte 12/25 (eine Art Bahnkarte)
relativ günstig. Nach 5 1/2 Stunden ist 5/6 Frankreichs von Norden nach Süden durchschnitten und in Hendaye bzw. Irun beginnt
das Baskenland (Pais Vasco). Wenn man nicht wüßte wo man tatsächlich ist, könnte man diese sattgrüne und hügelige Landschaft auch genauso gut
im Schwarzwald oder in der Schweiz verorten! Diese Gegend hebt sich wohltuend von dem Touristen-(Engländer!!)-überfüllten Küstenstreifen Andalusiens
ab und auch die Bausünden aus Hotelburgen und Betonquadraten sind viel geringer. Das Klima ist dennoch sehr mild (Seeklima) und angenehm.
Bilbao selbst liegt genau genommen nicht direkt am Meer sondern an der tief-einschneidenden Meeresbucht Riá del Nérvión und zum offenen Meer sind es ca. 10km, ohne Probleme mit der Metro (die eigentlich eine S-Bahn ist ...) zu erreichen. Die schöne Stadt hat neben der pittoresken Altstadt vorallem das weltbekannte Guggenheim Museum zu bieten. Auf 11.000 qm ist zeitgenössische Kunst zu sehen: im dritten Stock immer wechselnde Ausstellungen (zur Zeit "100% Afrika"), im zweiten Stock die permanente Sammlung des Guggenheim bestehend aus den deutschen Beuys, Darboven, Kiefer und Richter und im Erdgeschoss immense Stahlskultpuren des US-Amerikaners Richard Serra. Aber das beeindruckenste ist sowieso der Bau an sich, vom Architekten Frank Gehry entworfen und 1997 fertig gestellt. Auch kulinarisch ist diese Gegend am Golf von Biskaya nicht zu verachten: eine Vielzahl von Pintxos (Pinchos oder Tapas) auf jeder Bartheke, guten Kaffee, raffiniertes und saftiges Fleisch und ausgedehnten Abende. Alles sehr zen! Außerdem ist der einschlägige Rum kubanischer Herkunft dort viel billiger ... ¡hasta pronto! |
|
|
10.Januar: Alles Gute!
|
|
Fluctuat nec mergitur
Wie soll man schon eine Stadt und gerade eine wie Paris erschöpfend beschreiben? Eine Stadt, die zumindest einige Hundert Gesichter hat!
Eine Stadt, die jeden Eindringling anderes empfängt, eine Stadt, die sich einem Einwohner anders darstellt als einem Touristen und eine Stadt, die sich
immer wieder neu erfinden muss.
Ist schon gewaltig: da liegen der großartige Victor Hugo - Emile Zola gegenüber - und Alexandre Dumas in ihrer ewigen WG in einer Kammer in der Krypta des Panthéon, findet jedes Jahr die Tour de France nach ungefähr 3500 km ihr fulminantes Ende, öffnen 13 Universitäten ihre Pforten und wird man in der Öffentlichkeit schräg angeschaut, wenn man eine Dose Bier trinkt, nicht aber eine Flasche Wein! Und irgendwann lernt man hier zwei elementare Dinge: "Ce n'est pas mon problème" und, wie bereits Stephen Clarke richtig notierte eine vollkommene Gleichgültigeit. Man darf garnicht erst anfangen anderen zu gefallen. Und genau dies äussert sich in Supermarkt-Kassenschlangen, in der Métro, auf der Straße und eigentlich überall. Das wichtigste ist man selbst, das Umfeld wird vollständig ausgeblendet, als ob es nicht existieren würde. Ist man selbst erstmal an der Reihe werden ganz langsam die eigenen Anliegen erledigt: mit der Kassiererin über Preise diskutiert, das Scheckheft umständlich gesucht, erstmal die Tüten gepackt und anschließend gibt es meist immer noch etwas, über das sich lohnt zu reden! Auf der anderen Seite warten hingegen alle sehr geduldig bis sie schlußendlich drankommen, aber auch nur um diesen Moment richtig auszukosten. Ist das nun ein Zeugnis von sozialer Inkompatibilität, von totaler Asozialität oder eher von nötiger Abstumpfung im alltäglichen Moloch? Oder gar eine gewisse mediterrane Gelassenheit im Norden? Auf jeden Fall ist die französische Bürokratie noch perfider als die deutsche; nur dass sich hier keiner drum scheren will und stattdessen unbedingt seinen eigenen Willen jetzt sofort durchsetzen will! Aber eines bleibt unbestritten: ihre bedingungslose Höflichkeit in allen Lebenslagen. In diesem Sinne: "Pardon"! |
|
|
ein gutes neues Jahr 2007
|
|
|
Gedächtnisfeier
Heinrich Heine Keine Messe wird man singen, Keinen Kadosch wird man sagen, Nichts gesagt und nichts gesungen Wird an meinen Sterbetagen. Doch vielleicht an solchen Tagen, Wenn das Wetter schön und milde, Geht spazieren auf Montmartre Mit Paulinen Frau Mathilde. Mit dem Kranz von Immortellen Kommt sie mir das Grab zu schmücken, Und sie seufzet: Pauvre homme! Feuchte Wehmut in den Blicken. Leider wohn ich viel zu hoch, Und ich habe meiner Süßen Keinen Stuhl hier anzubieten; Ach! sie schwankt mit müden Füßen. Süßes, dickes Kind, du darfst Nicht zu Fuß nach Hause gehen; An dem Barrieregitter Siehst du die Fiaker stehen. |
|
|
jetzt Weihnachten und dann Feiertage
|
|
Clash of Civilization
Um das gängige Klischee zu bedienen: Franzosen essen Schnecken und allerlei anderes Absonderliches und Deutsche stopfen irgendwas in sich rein,
sind dabei auch noch "nutzenmaximiert" und genießen es nicht! Und was soll ich sagen? Stimmt!
Zum Beispiel sieht man das an den Mensen der Universitäten. Dank des französischen Zentralismuses kostet das Menü dort, von Paris bis nach La Réunion überall in ganz Frankreich einheitliche 2,75€. Ein Menü besteht aus Entrée, Hauptgericht und zwei Nachspeisen. Dazu gibt es kostenlos soviel angenehm gekühltes Wasser wie man trinken kann. Als Nachspeisen stehen Käse mit Brötchen, verschiedene Joghurts, Obst und diverse kleine Süßspeisen zur Vefügung. Außerdem Ketchup, Senf und Salatsauce aus großen Spendern, sodass man sich nicht kleine Beutelchen kaufen muss. Als Hauptgerichte stehen jeden Tag sechs Theken zur Auswahl: Nudeln, Gekochtes und Gebratenes, Grillstation, "Saveurs du Monde", Fisch und Pizza. Wobei bei letzterer immer eine lange Schlange ist und das hier sehr beliebte "Steak haché" infolge garantierter Täglichkeit irgendwann nicht mehr essbar ist! Außerdem ist das Hacksteak oft von innen roh und blutig, aber dafür außen angebrannt! In Frankeich ist Essen also eine sehr gewichtige Sache und es wird entsprechend Wert und vorallem Zeit darauf verwendet. Eine Angewohnheit, die man durchaus kulturell transferieren könnte! Aber trotz dieser Einstellung zu Essen (das Bild davon wird in der Welt im Besonderen von den Franzosen selbst kultiviert!) blüht im Hexagon die FastFood-Landschaft. Neben QuickBurger (französisch) und MacDonalds erfreuen sich Paninis, Hotdogs, Sandwiches, Croque Monsieur, Döner und Crêpes sehr großer Beliebtheit. Und das nicht nur bei Jugendlichen, sondern bei der gesamten Bandbreite der französischen Bevölkerung, die sich dieses Essen schnell auf der Hand und im Gehen reinziehen. Dieses Diskrepanz zwischen Anspruch und Handlung ist typisch französisch und mag sehr schizophren erscheinen. |
|
|
2.Advent
|
|
Das kollektive Gedächtnis von Paris oder Leben werden besichtigt
Nördlich vor den Toren von Paris, genau an der Départementgrenze erhebt sich das Banlieu Saint-Ouen. Und genau wie der
unbedarfte Beobachter und eifrige Tagesthemen-Zuschauer sich ein Banlieu vorstellt, so ist es auch: grau, gewaltig, rauh und bevölkert von zwielichtigen
Gestalten!
Aber nachdem man sich erst durch die Menge von schier unendlichen Ständen beladen mit Sportschuhe, Lederjacken, Uhren, Schmuck, Unterwäsche und anderem Ramsch gekämpft und die fliegenden Händler mit garantiert echten (!) D&G-Güteln oder Louis Vuitton-Taschen abgehängt hat, taucht man in eine vollkommen andere Welt ein: den "richtigen" Marché aux Puces St.Ouen. Dieser Marché aux Puces St.Ouen besteht aus verschiedenen spezialisierten Teilflohmärkten (z.B. Antiquitäten) und ist am ehesten als kleine Stadt beschreibbar. Die jeweiligen "Stände" sind in permanenten Häuslein untergebracht und über kleine Gassen und Straßen erreichbar. Angeboten werde alle möglichen Habseligkeiten, die Menschen in aller Welt gehört haben und von Schicksalen und Geschichten erzählen. So zum Beispiel eine Postkarte von 1915, die ein französischer Soldat aus dem Schützengraben an seine Verlobte und Familie geschrieben hat: "Ich habe seit zwei Wochen nichts von dir gehört (...) die Front hier ist zum Glück ruhig". Eben intimste Dinge von vergangenen Leben - vererbt, verschenkt, verkauft, verloren, wieder gefunden, gesammelt, mit anderen in Kisten zusammengeworfen, liebevoll in Glassvitrinen ausgestellt, sortiert, markiert und schlußendlich der Welt zurückgegeben! Aber auch alte Landkarten, Werbeschilder, Tintenfässer, Weinregale, Kronleuchter, Aschenbecher, Bücher, Gläser und Schmuck. En bref, ein Ort zum Stöbern und sich Verlieren! Um es mit Georges Perec zu sagen: "Puis, ce fut presque une des grandes dates de leur vie, ils découvrirent le marché aux Puces". |
|
|
2:50 le nuit - le rhum est presque épuisé
|
|
L'histoire des Jupps - Ursprünge:
Die Geschichte der Jupps reicht weit zurück, bis auf ein rendez-vous convivial im Monat Oktober bei Julia R.
Dort machten wir erstmals die Bekanntschaft des Original-Jupps. Aujourd'hui: "der Ehren-Jupp"!
Die näheren Umstände liegen im feuchten Dunkel der alkoholgetränkten Pariser Nacht, und können und wollen hier aus naheliegenden Gründen outsidern nicht wiedergegeben werden. Zumindest ging es entfernt um feuchte Fischzungen, oder doch zumindest knorpelartige Gebilde (gibt es sie oder nicht???!) Heute steht der Begriff Jupp ins Besondere für diverse CAF genießende Individuen à Paris. Spätestens seit dem "Weinflaschen-nach-Jupps-werfen", "Jupps pöbeln und pöbeln zurück" und "Jupp klaut, was nicht des Jupps", weiß auch der gemeine Pariser, was er von den Jupps zu halten hat. Und trotzdem lieben sie ihn. Denn Jupp bleibt eben Jupp! |
|